Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Dewender, liebe Gabi und lieber Axel Schäfer, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, liebe Billard- und Sportfreunde
Unser großer Festtag zum 100jährigen Jubiläum ist heute, am 1. August 2026 – auch wenn unser echtes Gründungsdatum schon der 25. Februar 1926 war. An diesem denkwürdigen Tag hoben ein paar begeisterte Billardspieler im Lokal Becker in Dahlhausen den BC „Unter Uns Dahlhausen“ aus der Taufe. Wir konnten leider nicht herausfinden, wo dieses Lokal war und ob es noch gastronomische Nachfolger gibt.
Keiner ahnte damals, wie erfolgreich man in der Zukunft sein würde. Sicher ist aber, dass man irgendwann ins Lokal Nehring an der Ruhr, später dann zur Lindener Straße wechselte.
Richtig aufwärts ging es allerdings erst nach dem Umzug in die Gaststätte von Otto Hose an der Dr.-C.-Otto-Straße 138. Und das lag vor allem an dessen Enkel Klaus, der alle anderen Spieler des Vereins nicht nur bei der Körpergröße überragte. Der „Lange“, so sein Spitzname, war einfach auch beim Billard ein echter „Riese“ und holte später auch einige Deutsche und Einzel-Europameisterschaften.
Er war im 1. Obergeschoss der Gaststätte aufgewachsen und war von Vater Helmut schon mit acht Jahren mit den drei Kugeln auf dem grünen Tuch trainiert worden.
Da es dort nur einen (kleinen) Billardtisch gab und das Lokal immer voll, so erinnert sich Paul KImmeskamp, mussten die Spitzenspieler von damals für ein intensiveres Training gern am Heiligabend antreten und bis zum 1. Feiertag spielen. Oder auch bei anderen Gelegenheiten. „Das war nur für uns bei Opa Hose möglich und wir waren dann ungestört.“
Im Herkunftsland unserer vielen türkischstämmigen Mitbürger gibt es viele exzellente Billardspieler, die allerdings meist das Dreibandspiel bevorzugen. Seit einiger Zeit hat die „Türk Federasyon Bochum-Dahlhausen“ im Haus des ehemaligen Billard-Lokals Hose ihre Heimat gefunden. Dort gibt es natürlich heute kein Billard mehr – und erst recht kein Bier.

Wenn wir den zeitlichen Bogen fast ins Hier und Heute schlagen, so haben wir in 2023 mit dem knappesten aller Ergebnisse gegen Merklinde den 30., am 15. Juni 2024 in Bergisch-Gladbach unseren 31. Deutschen Meistertitel gewonnen. Titel Nummer 32 – nach einem finalen 8:0 gegen Hilden am 11. Mai 2025 – wurde uns im Nachhinein aberkannt. Alle, auch unsere Mitbewerber, waren sich einig, dass der Tabellenführer am Ende der Oberliga-Saison auch ohne die Runde der „Final Four“ wieder Deutscher Meister sein würde. – April April im Mai/Juni.
Zu Beginn der Saison, Mitte Januar 2025, hatten wir noch an die Medien gemeldet, dass es schon wieder ein neues Spielsystem geben würde und dass sich sechs Teams in Hin- und Rückspielen ohne Play Offs um den Deutschen Meistertitel bewerben. Das war also nix.
Der Erfolg ist nach wie vor da, Bochum weiterhin das Epizentrum der Karambol-Spielart – auch wenn diese Spielart von der Deutschen Billard Union wirklich sträflich vernachlässigt, nein, im Grunde sogar ignoriert wird. Das muss hier unbedingt nachdrücklich erwähnt werden. Es ist und bleibt einfach eine lachhafte Posse, dass der Deutsche Meister vier Jahre lang in der Oberliga NRW – zum Teil mit hessischer Beteiligung!!! – ermittelt wurde. Mit jähem und unverständlichem Ende, wie gerade erwähnt.
Fakt ist allerdings auch, dass es leider nicht mehr viele Vereine gibt, die Technik-Teams melden können bzw. wollen. Im Grunde deutete sich dieser Trend schon vor Jahren an, als es überraschend neben dem DBC in Bochum mit Weitmar 09 und dem TuS Kaltehardt noch zwei weitere Bundesligisten gab – und offenkundig kaum noch Mitbewerber aus anderen Bundesländern. Bei der Deutschen Billard Union, so erklärte es mir DBU- Vorstandsvorsitzender Helmut Biermann, setze man auf 10-Ball Pool, Snooker, Dreiband und Heyball.
Zurück also in die wirklich glorrreiche Vergangenheit.
1962 war das, als der DBC seinen allerersten Titel auf dem kleinen Billard holte. Er gewann mit den ambitionierten, noch jungen und waschechten Bochumern Paul Kimmeskamp, Alfred Scharmach, Klaus Hose, Wolfgang Fischer und Karl-Heinz Sonneborn überraschend gegen die hoch favorisierten Teams aus Saarbrücken (mit dem legendären August Tiedtke) und Berlin.
Aktuell – außer wenn Paul Kimmeskamp mal wieder als Ersatzspieler ran muss – ist leider kein Bochumer mehr dabei, aber das Team funktioniert als familiäre Einheit. Ludger Havlik lebt in Marl, Horst Wiedemann in Essen, Thomas Berger kommt aus dem Ruhrgebiet, lebt jetzt aber in Limburg. Sie alle spielen schon jahrelang beim DBC Bochum und auch die beiden Holländer Michel van Silfhout und John van der Stappen passen schon eine ganz Weile – sportlich wie menschlich – brillant in die Mannschaft, die sehr viele Jahre von Bochumern dominiert wurde. Na ja – eigentlich sind sie ja alle Bochumer.
Ohne verlässliche Sponsoren und langjährige Unterstützer bleibt jeder sportliche Erfolg leider nur zeitlich begrenzt. Insofern gilt unser besonderer Dank speziell den Stadtwerken Bochum, die uns seit vielen, vielen Jahren als Sponsor treu zur Seite stehen. Ohne diese Unterstützung und auch die der Stadt Bochum – dieses Lob geht auch an die Vorsitzende des Stadtsportbundes, unsere langjährige nun aber Ex-Bürgermeisterin und Billard-Sympathisantin Gabi Schäfer – wäre all dies nicht möglich gewesen. Wir haben mit dieser Hilfe durch all unserer Spieler neben 31 Team-Titeln ja auch noch über 80 nationale und internationale Einzeltitel nach Bochum geholt. Klaus Hose gewann in all den Jahren drei Mal internationales Gold, Thomas Nockemann und Henri Tilleman je zwei Mal, Xavier Gretillat sogar fünf Mal. Silber und Bronze gab es in dieser Zeit wirklich in Mengen.
Am 29.März 1970 schließlich – ihr merkt, dass ich gerne zeitlich hin und her springe – stiegen wir in die gerade erst gegründete 1. Bundesliga auf und gewannen dort von 1975 bis 1977 den ersten von insgesamt drei Mannschaftsmeister-Hattricks.
1997 bis 2002 schaffte der DBC gar sechs Titel hintereinander, 2012 bis 2018 sogar sieben Meisterschaften. Das hätte schon von 1975 bis 1981 passieren können, aber 1978 war unser Bochumer Spitzenmann Klaus Hose im Krankenhaus. Eine Kölner Zeitung titelte damals, als der Kölner Spieler Schwanz fehlte: „Köln kann ohne Schwanz spielen, aber Bochum nicht ohne Hose“. Das war Innenminister Gerhard Baum egal, als er dem „Langen“ im Juni 1980 in Bonn das Silberne Lorbeerblatt überreichte, die höchste deutsche Sportlerehrung.
Der 2. März 1973 war bereits ein weiterer Eckpunkt der DBC-Geschichte gewesen. Wegen unserer Erfolge war die Anregung aus der Politik gekommen, dass wir doch die Stadt Bochum im Namen tragen sollten. In Anlehnung an die damalige Umbenennung des Meidericher Spielvereins in MSV Duisburg folgten wir mit der Umbenennung in DBC (Dahlhauser Billard Club) Bochum 1926 – und holten dann mit dem neuen Namen am 9. März 1975 unseren ersten Bundesliga-Titel …

… mit Friedhelm Kaludzinski, Paul Kimmeskamp, Karl-Heinz Sonneborn, Heinz Vosmerbäumer, Jürgen Sedello (hinten von links), Dieter Baumbach und Klaus Hose (vorne von links).
Man könnte sagen, wir seien (oder waren??) die „Bayern“ des Karambolage-Billard. Und darauf sind wir stolz. Es ist vor allem dem leider viel zu früh verstorbenen langjährigen Vereins- und Kreisvorsitzenden Karl-Heinz Sonneborn zu verdanken, dass wir – auch mit Hilfe der DBC-Familie – diese sport- und erfolgsorientierte Ausrichtung nach dem Weggang von der Dr.-C.-Otto-Straße extrem kultivieren konnten und mit vielen Erfolgen gekrönt haben. Das Billardzentrum hier am Holtkamp ist sein Werk. Er hat die Immobilie gekauft und dem DBC die sportliche Weiterentwicklung ermöglicht. Sein langjähriger Weggefährte Paul Kimmeskamp, immer noch Geschäftsführer des DBC Bochum, führt dieses Erbe fort.
2017 gewannen wir in Prag nach mehrfachem knappen Scheitern endlich, endlich, endlich den Coupe d’Europe für Classic-, also Karambolage-Teams, was zur Folge hatte, dass der damalige DBC-Vorsitzende ein Billard-Groß-Event in der Rundsporthalle plante, um zu Hause den Titel zu verteidigen. Wir unterlagen in einem bärenstarken Finale dem nordfranzösischen Team aus Douarnenez. Das als Billard-Werbeveranstaltung geplante Event hinterließ dann leider – trotz öffentlicher Förderung – ein finanziell extrem schmerzhaftes Defizit.

Bei der 2026er Auflage des „Coupe“ holte sich unser Team mit John van der Stappen, Ludger Havlik und Michel van Sifhout (im Bild von links) am 19. April 2026 eine überraschende „Jubiläums-Sahnetorte“ und gewann in Douai die Bronzemedaille. Damit hatten nun wirklich selbst die größten DBC-Fans und Optimisten nicht gerechnet.
Was zu unserem Jubiläum bleibt, ist nicht nur dieses Edelmetall, sondern auch die Erkenntnis, dass wir uns weiter intensiv bemühen müssen, Menschen jeden Alters, vor allem aber den möglichen Nachwuchs an den Billardsport heranzuführen, bzw. das Interesse dafür zu wecken.

Wir müssen sie – wie 1976 zu unserem „50jährigen“ – einfach alle dazu bringen, dass sie sich öffnen für diesen hochinteressanten Sport, den man von Jugend an bis ins hohe Alter – und durchaus dann auch immer noch erfolgreich – betreiben kann. So wie es unser Wolfgang Kuhnke mit seinen vielen Seniorenmeisterschaften eindrucksvoll beweist.
Wir haben seit heute Vormittag ein Scotch Double Dreibandturnier gespielt, obwohl die Dreibanddisziplin nicht so wirklich in die Genetik des DBC passt. Wir waren in den 80er-Jahren zwar einmal Deutscher Pokalmannschaftsmeister Dreiband, aber unser „Kerngeschäft“ sind die klassischen Spielarten Cadre, Freie Partie und Einband.
Gleichwohl waren unsere Dreibandspieler in der letzten Saison in die 2. Bundesliga aufgestiegen, gewannen aber schließlich nur die letzte Begegnung. Das reichte kurioserweise zwar zum Klassenerhalt, aber wir haben schließlich auf eine weitere Teilnahme verzichtet.
Die Scotch Double- Sieger werden aber als Jubiläums-Sieger Teil unserer Geschichte sein und bleiben. Deshalb noch einmal einen herzlichen Glückwunsch von hier.
„Praktisch-amüsante Physik tanzt auf dem blaugrünen Tuch einen heißen Tango mit dem oft faszinierten Spieler“, hatten wir 2023 in der Einladung zur Feier unseres 30. Meistertitels geschrieben. Ja, Billard, vor allem unsere bevorzugte Spielart, das Karambolage-Billard, ist eine prickelnde Herausforderung – für Jung und für Alt.

Wie sagte Klaus Hose so gern: „Billardspielen ist das zweitschwerste Spiel auf der Welt.“ Damit erntete der erfolgreiche Bochumer Sportler, der im Juni 1980 vom damaligen Innenminister Gerhard Baum das silberne Lorbeerblatt, die höchste deutsche Sportauszeichnung erhielt (Bild), meist fragende Blicke – und stets eine Gegenfrage…. – Am schwersten ist es natürlich: Gut Billard zu spielen!
Und weil wir das beim DBC Bochum so gut beherrschen, können wir heute unseren 100. Geburtstag mit euch feiern. Und dabei hilft einer, der das mit der die Physik auf dem blaugrünen Tuch auf praktisch-amüsante Weise außer Kraft setzt: der Europameister und mehrfache Deutsche Meister Thomas Ahrens will uns mit seinen unfassbaren Kunststößen begeistern.
Ach ja: Andreas Leinweber und unser Vorsitzender Thomas Szkirde haben sich dankenswerterweise um das Buffet gekümmert, auf das inzwischen natürlich alle recht sehnsüchtig warten.
Ob Helmut Biermann, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Billard Union und Vorsitzender des Billardverbandes Westfalen, zum Jubiläum erscheinen wird, war bis heute nicht klar. Er lässt aber sicher Glückwünsche ausrichten und uns sehr herzlich grüßen.
Vielen Dank für eure Geduld und Aufmerksamkeit.
Diese Rede für den 1. August 2026 schrieb Journalist und DBC -Ehrenmitglied Eberhard Franken. Er, der den DBC seit vielen Jahrzehnten als Fotograf und Texter begleitet, aber am Jubiläumstag leider nicht anwesend sein kann, fasste auch die Fakten zusammen.
Wolfgang Wichert hat eine freie Fassung der Rede vorgetragen. Ein Video der diversen Reden etc. folgt in Kürze.

Eine der vielen Meisterfeiern in den 80er-Jahren mit (v.li.) dem damaligen Vorsitzenden Dr. Bodo Fritsche, den Spielern Dieter Baumbach, Klaus Hose, Edgar Bettzieche, Jürgen Sedello, und Paul Kimmeskamp sowie Vorstandsmitglied Günter Behlau.
Alle Fotos (außer vom Team Coupe d’Europe): Eberhard Franken

